
Ein Einfachgarn kommt direkt von der Spinnmaschine. Ein Zwirn entsteht in weiteren Arbeitsgängen aus zwei oder mehr Einfachgarnen. Diese Arbeitsgänge kosten Geld. Sie verbessern aber Eigenschaften, die in vielen Artikeln über die Qualität der fertigen Ware entscheiden.
Begriffe
- Einfachgarn
- Ein Faden aus Fasern, durch Drehung zusammengehalten, zum Beispiel ein Ringgarn Ne 30/1.
- Fachgarn
- Zwei oder mehr Einfachgarne, parallel ohne Drehung aufgewickelt. Fachgarn ist die Vorstufe des Zwirns, wird aber auch direkt verarbeitet.
- Zwirn
- Zwei oder mehr Einfachgarne, miteinander verdreht, zum Beispiel Ne 60/2.
- Mehrstufiger Zwirn
- Zwirne, die nochmals miteinander verzwirnt werden, etwa für Nähfäden oder technische Anwendungen.
Wie die Bezeichnungen zu lesen und umzurechnen sind, erklärt der Artikel Garnnummerierung.
Wie ein Zwirn entsteht
- Fachen: Die Einfachgarne werden unter gleicher Spannung parallel auf eine Spule gewickelt. Gleiche Spannung ist wichtig, sonst entstehen Schlingen und ein ungleichmäßiger Zwirn.
- Zwirnen: Das Fachgarn erhält die Zwirndrehung. Verbreitet sind Ringzwirnmaschinen und Doppeldrahtzwirnmaschinen. Letztere erteilen mit jeder Spindelumdrehung zwei Drehungen und arbeiten dadurch produktiver.
- Gegebenenfalls Veredeln: Feine Zwirne werden häufig gasiert und merzerisiert, um Glanz und Glätte zu steigern.
Die Drehrichtung des Zwirns ist meist der Drehrichtung des Einfachgarns entgegengesetzt. Ein Z-gedrehtes Garn wird S-gezwirnt. Dabei öffnet sich ein Teil der Garndrehung wieder, die Fasern legen sich günstiger in Längsrichtung und der Zwirn wird ruhiger. Die Details stehen im Artikel Garndrehung.
Gleichmäßigkeit: der Ausgleichseffekt
Jedes Einfachgarn hat dünnere und dickere Abschnitte. Beim Fachen treffen diese zufällig aufeinander. Eine Dünnstelle im einen Faden liegt selten genau neben einer Dünnstelle im anderen. Die Schwankungen gleichen sich deshalb teilweise aus.
Faustformel
Bei zufälligen, voneinander unabhängigen Schwankungen gilt näherungsweise: CV Zwirn ≈ CV Einfachgarn ÷ √n (n = Fachzahl)
Beispiel: Ein Einfachgarn hat einen Massenvariationskoeffizienten von CVm 14 %. Zweifach gezwirnt ergibt sich theoretisch 14 ÷ 1,414 = 9,9 %, dreifach 14 ÷ 1,732 = 8,1 %. In der Praxis liegt der Wert etwas darüber, weil nicht alle Schwankungen zufällig sind. Der Effekt ist dennoch deutlich und im Warenbild sichtbar. Wie der CVm-Wert gemessen und eingeordnet wird, steht im Artikel Garnprüfung und Uster-Werte.
Ein zweiter Effekt betrifft die Festigkeit. Ein Faden reißt an seiner schwächsten Stelle. Im Zwirn tragen an dieser Stelle die anderen Fäden mit. Ein Zwirn erreicht daher eine höhere feinheitsbezogene Festigkeit als ein Einfachgarn gleicher resultierender Feinheit.
Eigenschaften im Vergleich
| Merkmal | Einfachgarn Ne 30/1 | Zwirn Ne 60/2 |
|---|---|---|
| Feinheit | Ne 30, 19,7 tex | resultierend etwa Ne 30, 9,8 tex × 2 |
| Gleichmäßigkeit | Basiswert | besser |
| Festigkeit | Basiswert | höher |
| Haarigkeit | Basiswert | geringer |
| Kringelneigung | vorhanden, abhängig von der Drehung | gering bei ausgeglichener Zwirndrehung |
| Warenbild | lebendiger | ruhig, klar, glatt |
| Rohstoff | breiter Faserbereich möglich | für Ne 60 sind längere, feine Fasern nötig |
| Preis | niedriger | höher (feineres Ausgangsgarn und zusätzliche Arbeitsgänge) |
Auswahlkriterien nach Einsatz
Weberei
Kettfäden werden auf der Webmaschine ständig gescheuert und auf Zug belastet. Einfachgarne in der Kette müssen deshalb geschlichtet werden, also mit einem Schutzfilm versehen. Zwirne sind von sich aus fester und glatter und werden häufig ohne oder mit wenig Schlichte verarbeitet. Für hochwertige Hemdenstoffe mit klarem Bild werden oft Zwirne in Kette und Schuss eingesetzt.
Strickerei
Ein Einfachgarn hat ein Drehmoment. In Single Jersey zeigt sich das als Maschenschräglage und Verdrehen der Schläuche oder Teile. Ein ausgeglichener Zwirn vermeidet das weitgehend. Für weiche Basisware ist ein Einfachgarn mit niedriger Drehung oft die wirtschaftlichere Lösung.
Färben
Zwirne für die Garnfärbung werden auf Färbekonen geliefert, also weich und gleichmäßig auf gelochte Hülsen gewickelt. Die Färbeflotte durchströmt die Spule dann gleichmäßig.
Optik und Griff
Gasierte und merzerisierte Zwirne erzielen hohen Glanz und einen kühlen, glatten Griff. Für ein rustikales oder voluminöses Warenbild sind dagegen Einfachgarne oder grobe Rotorzwirne die passende Wahl.
Kosten und Alternativen
Ein Zwirn Ne 60/2 verlangt zwei Einfachgarne Ne 60. Diese sind feiner, brauchen besseren Rohstoff und laufen langsamer als ein Ne 30. Dazu kommen Fachen und Zwirnen. Deshalb kostet der Zwirn deutlich mehr als ein Einfachgarn gleicher resultierender Feinheit.
In manchen Anwendungen kann ein Compactgarn den Zwirn ersetzen, weil es bereits haararm und fest ist. Ob das für einen Artikel reicht, lässt sich nur anhand der Anforderungen an Ware und Verarbeitung entscheiden. Die Unterschiede der Spinnverfahren erklärt der Artikel Spinnverfahren.
- Zwirn wählen, wenn Gleichmäßigkeit, Festigkeit, Torsionsfreiheit oder ein klares Warenbild Vorrang haben.
- Einfachgarn wählen, wenn Weichheit, Volumen und Preis im Vordergrund stehen und die Verarbeitung es zulässt.
- Compactgarn prüfen, wenn ein Einfachgarn nicht reicht, ein Zwirn aber zu teuer ist.
Was in eine Zwirnanfrage gehört
Damit Angebote vergleichbar sind, sollte eine Anfrage für einen Zwirn mindestens diese Angaben enthalten:
- Feinheit und Fachzahl, zum Beispiel Ne 60/2, mit Angabe des Nummernsystems
- Ausführung des Einfachgarns: kardiert, gekämmt oder Compact
- Drehrichtung von Garn und Zwirn, gegebenenfalls Zwirndrehung in T/m
- Veredlung: roh, gasiert, merzerisiert
- Aufmachung: Kreuzspule für die Verarbeitung oder Färbekone für die Garnfärbung
- Einsatz, Menge und gewünschter Liefertermin
Einfachgarne und Zwirne bei Bergfeld
Bergfeld führt ringgesponnene Einfachgarne kardiert und gekämmt, Compact-Garne und Zwirne von Ne 8/2 bis Ne 60/2. Als Spezialqualitäten kommen feine gekämmte Zwirne wie Nm 135/2 und Nm 170/2, auch auf Färbekonen, sowie Rotorzwirne und grobe Zwirne wie Ne 12/2 und Ne 12/3 hinzu.